Serotoninsyndrom

Das Serotoninsyndrom ist ein sehr theoretisches Thema, welches in der Schmerzklinik Kiel noch nie gesehen wurde. Also: theoretisch möglich, praktisch nicht erlebt.
Es gab Berichte, in denen bei Patienten nach Einnahme von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRIs) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRIs) und Triptanen Symptome beschrieben wurden, die einem Serotoninsyndrom (einschließlich verändertem mentalen Status, autonom vegetativer Symptome und neuromuskulärer Störungen) glichen. Dies ist außerordentlich selten.

Ein Serotoninsyndrom wurde nach gleichzeitiger Anwendung von Triptanen und selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRIs) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRIs) berichtet. Ist die gleichzeitige Behandlung mit Triptanen und einem SSRI oder SNRI klinisch erforderlich, wird eine sorgfältige Überwachung des Patienten angeraten, insbesondere zu Therapiebeginn, bei einer Dosiserhöhung oder bei Beginn einer weiteren serotonergen Medikation. Die gleichzeitige Behandlung schließt sich also keinesfalls aus. Es müssen jedoch sorgfältige Verlaufskontrollen erfolgen.

Das gilt für alle Triptane.
Dazu ist anzumerken, dass trotz langjährigen Einsatzes der Kombination von Antidepressiva und Triptanen bei vielen Patienten in Deutschland das Krankheitsbild des Serotoninsyndroms nicht beobachtet wurde. Das Risiko für diese Komplikation wurde daher als rein theoretisch angesehen. Auf der anderen Seite müsste konsequenter Weise auch auf den Einsatz von trizyklischen Antidepressiva in Kombination mit Triptanen verzichtet werden, da es sich bei dieser Klasse ebenfalls um Serotoninwiederaufnahmehemmer handelt. Sie sind lediglich unselektiv wirksam und damit schlechter verträglich. Aufgrund der möglichen Gewichtszunahme sind diese Trizyklika aber bei Amerikanern unbeliebt. Da sie deshalb seltener als die SSRI´s eingesetzt werden, ist dementsprechend auch seltener mit Komplikationen zu rechnen.

Wir sehen das Problem weiterhin eher pragmatisch. Werden SSRI´s in der üblichen Dosis eingesetzt und bei Triptanen die Maximaldosen (max. 2 x am Tag, max. an 3 Tagen im Stück und an max. 10 Tagen / Monat) beachtet, können beide Antidepressivaklassen weiter mit Triptanen kombiniert werden. Hier wäre dann lediglich zu “befürchten” dass die Triptane besser wirken, als ohne Antidepressivum, da sie wahrscheinlich langsamer abgebaut werden. Nichtsdestotrotz sollten Patienten über das Serotoninsyndrom aufgeklärt sein.