Serotonin

Die Serotonin- oder 5-HT-Rezeptoren sind möglicherweise für die Entstehung und Auslösung der Migräne von besonderer Bedeutung. Die Wissenschaftler Gaddum und Picarelli haben 1957 bereits zwei Typen von Serotoninrezeptoren unterschieden. Es zeigte sich jedoch bald, dass weitere, atypisch reagierende Serotoninrezeptoren, insbesondere an den Blutgefäßen des Kopfes, existieren.

Deshalb wurden die Serotoninrezeptoren von Bradley und seinen Kollegen im Jahre 1986 in drei Hauptgruppen eingeteilt: -die 5-HT1-Rezeptoren (bestehend aus mehreren weiteren Unterrezeptoren), -den 5-HT2-Rezeptor und -den 5-HT3-Rezeptor.

Der Wissenschaftler Dumuis und seine Kollegen beschrieben 1989 einen gesonderten 5-HT4-Rezeptor. Von den vielleicht etwas unverständlichen Bezeichnungen der Rezeptoren sollte man sich nicht verwirren lassen. Es handelt sich dabei um nichts anderes, als ein Ersatz für Postleitzahlen im Organismus. Serotonin ist zwar in der Lage, den Migränekopfschmerz zu beenden. Durch seine generelle Wirkung auf alle unterschiedlichen Serotoninrezeptoren und damit auf weite Teile des Gesamtorganismus sind jedoch schwerwiegende Nebenwirkungen zu verzeichnen, die einen therapeutischen Einsatz von Serotonin als Migränemedikament nicht erlauben.

Serotonin ist also mit einer Postwurfsendung an alle Haushalte zu vergleichen. In den Blutgefäßen außerhalb des Kopfes bewirkt Serotonin eine Gefäßverengung durch Aktivierung der 5-HT2-Rezeptoren. Dieser Effekt ist besonders für die Durchblutung der Herzkranzgefäße von Bedeutung. Die Effekte auf die Blutgefäße des Kopfes werden dagegen durch Aktivierung der 5-HT1-Rezeptoren herbeigeführt. Es zeigte sich, dass andere Rezeptoren bei der Vermittlung der Gefäßreaktionen im Kopfbereich nicht beteiligt sind. Mit den sog. selektiven 5-HT1-Agonisten, gelang es erstmals, eine gezielte, selektive Blockierung der neurogenen Entzündung an Gefäßen im Hirnkreislauf zu ermöglichen. Diese Substanzgruppe werden Triptane genannt.