Aura

Bei jedem zehnten Migränekranken beginnt der Anfall mit Störungen des zentralen Nervensystems, die man als “Aura” bezeichnet. Diese Störungen entwickeln sich binnen weniger Minuten und dauern üblicherweise maximal eine Stunde. Wenn mehrere Störungen nacheinander auftreten, so addieren sich die Zeitspannen und können dann die Dauer von einer Stunde überschreiten. Auch bei einer Sonderform der Migräne – der “Migräne mit verlängerter Aura” – halten die Störungen länger an: zwischen 60 Minuten und sieben Tagen.

Was aber ist eine Aura?

Das Phänomen wurde nach der griechischen Göttin der Morgenröte Aurora benannt. Vor der Kopfschmerzattacke treten wie bei einem Sonnenaufgang innerhalb von 15 bis 30 Minuten langsam stärker werdende neurologische Störungen auf. Meist – in etwa 90 Prozent der Fälle – handelt es sich um Sehstörungen. Am Rande des Gesichtsfeldes tauchen plötzlich flimmernde Punkte oder Zickzacklinien, Schlieren oder Schleier auf, die sich allmählich ausbreiten. Die Aura kann sich jedoch auch in Form von Schwindel, Sprachstörungen, Kribbeln in bestimmten Körperteilen oder sogar Lähmungserscheinungen zeigen.

Nach den Aurasymptomen setzt üblicherweise der Kopfschmerz ein. Doch er kann auch ganz fehlen. Manche Patienten klagen jahrelang über eines oder mehrere Aurasymptome ohne auch nur im Entferntesten zu ahnen, dass sie an Migräne leiden. Weil die Symptome meist nicht länger als zehn bis 30 Minuten dauern, halten die Patienten es oft nicht für nötig, sich damit an einen Arzt zu wenden.

Vielleicht werden Sie jetzt denken, es handle sich bei der Aura auch um Vorboten der Migräne. Genau das sind sie aber nicht, denn Migräne ist eine Erkrankung des Nervensystems. Diese neurologische Störung äußert sich zwar meist in Form der typischen pulsierenden Kopfschmerzen, aber eben auch in den Aurasymptomen. Sie sind deshalb die Migräne selbst und keine Vorboten. Und sie sind so typisch, treten in dieser Form nur bei der Migräne auf. Daher sind sie ein absolut eindeutiges Anzeichen dafür, dass es sich bei den meist nachfolgenden Kopfschmerzen tatsächlich um Kopfschmerzen im Rahmen einer Migräne handelt.