Antiepileptika

Antiepileptika, auch Antikonvulsiva, werden in erster Linie zur Behandlung der Epilepsie eingesetzt. Einige Antiepileptika werden auch erfolgreich in der Behandlung der schwer verlaufenden Migräne eingesetzt. Die drei wichtigsten werden nachfolgend vorgestellt:

Topiramat

Aktuelle Daten liegen zur prophylaktischen Wirksamkeit von Topiramat in der Prophylaxe der Migräne vor. Dieses Medikament scheint besonders für Patienten eine Option, die an sehr hochfrequenter oder chronischer Migräne leiden.

In einer im Jahre 2002 publizierten Studie nahmen 469 Patienten mit durchschnittlich 5 Attacken an einer 26-wöchigen Studie mit Placebo, 50 mg, 100 mg und 200 mg pro Tag teil. Hauptzielparameter war die Reduktion der Migränetage pro Monat. Bei Anwendung von 100 mg langsam aufdosiert über 8 Wochen reduzierte sich die Anzahl von 5,4 auf 3,3 Migränetage pro Monat (–39 %), bei Einnahme von 200 mg von 5,6 auf 3,3 Migränetage pro Monat (–41 %). In der Placebogruppe fand sich dagegen nur eine Reduktion von 5,6 auf 4,6 Migränetage pro Monat. Eine Attackenreduktion von 50 % oder mehr fand sich in der 100-mg-Gruppe bei 54 % und in der 200-mg-Gruppe bei 52 % der Patienten. Die optimale Dosierung ist somit 100 mg.

Die Besonderheit der Behandlung ist die damit verbundene Gewichtsreduktion. Während bei den meisten anderen Prophylaktika zum Teil unerwünschte Gewichtszunahmen den Einsatz limitieren, findet sich bei Anwendung von Topiramat eine mittlere Gewichtsreduktion von ca. 3,8 %.

Das Präparat ist in Deutschland unter dem Namen Topamax-Migräne zugelassen. Das Medikament soll die Häufigkeit und Schwere der Migräneattacken vermindern. Der genaue Wirkmechanismus bei der Migräne ist noch nicht bekannt. Der Wirkstoff wird schon seit längerem als Topamax in der Epilepsietherapie eingesetzt.

Dort gehört er inzwischen zu den Standardmedikamenten und wird zur lebenslangen Dauertherapie verwendet. Die Tagesmenge in der Migräneprophylaxe liegt niedriger als in der Epilepsietherapie und beträgt 50 bis 200 mg. Diese kann als Einzelgabe oder in zwei Dosen verabreicht werden. Der Arzt wird eine individuell notwendige Dosis einstellen.

Die meisten Patienten vertragen die Medikation gut. Als häufigere aber harmlose unerwünschte Begleitwirkungen können leichte Kribbelmissempfindungen auftreten, z. B. in den Armen oder Beinen, die meist vorübergehend sind. In manchen Fällen kann eine vorübergehende Kaliumgabe hilfreich sein. Gelegentlich kommt es auch zu leichten Geschmackveränderungen, z. B. für süße Speisen. Möglicherweise ist dies auch der Grund, warum bei Patienten im Laufe der Therapie eine Gewichtsreduktion bewirkt wird. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass ausreichend Flüssigkeit getrunken wird (ca. 3 Liter pro Tag), um einer Nierensteinbildung vorzubeugen.

Nebenwirkungen sind dosisabhängig. In der 100-mg- bzw. 200-mg-Gruppe brachen 20 % bzw. 33 % die Behandlungen wegen Nebenwirkungen ab. Im Vordergrund stehen nadelstichähnliche Kribbelempfindungen an den Beinen, Appetitmangel, Geschmacksveränderungen, Wortfindungsstörungen, Konzentrationsreduktion und Stimmungsschwankungen. Nach Absetzen des Medikaments gehen diese Symptome jedoch komplett zurück. Regelmäßige Leberwertkontrollen in Abständen von 6 Wochen sind im Therapieverlauf erforderlich.

Die Mehrzahl der Patienten profitiert bei guter Verträglichkeit von der Medikation. Bei manchen Patienten kann es zu Störungen der Konzentration oder des Gedächtnisses kommen. Auch können bei besonders empfindlichen Personen Veränderungen der Stimmung mit depressiven Störungen auftreten oder verschlechtert werden. In diesem Fall muss entscheiden werden, ob eine Dosisreduktion möglich ist oder ob das Präparat für den Patienten ungeeignet ist und ggf. ein Alternativmedikament verwendet werden sollte.

Valproinsäure

In den letzten Jahren wurde die Valproinsäure zunehmend als effektives Migräneprophylaktikum erkannt. Die sehr gute Wirkung, die jener der Betarezeptorenblocker entspricht, wurde in kontrollierten Studien mehrfach nachgewiesen. Der Einsatz von Valproinsäure muss sehr überlegt erfolgen, da potenziell schwerwiegende und lebensbedrohende Nebenwirkungen auftreten können. Während schwere Hautreaktionen nur in Einzelfällen beschrieben wurden, sind dosisunabhängige und besonders bei Kindern und Jugendlichen schwerwiegende Leberfunktionsstörungen mit einer sehr geringen, aber konstanten Häufigkeit aufgetreten. Daher sollte in jedem Einzelfall vor Einsatz der Valproinsäure in der Migränebehandlung die Indikation genau überprüft werden, insbesondere auch vor dem Hintergrund der fehlenden Zulassung für diese Indikation in Deutschland. Daher ist die Valproinsäure trotz guter Wirksamkeit derzeit nur als Reservesubstanz anzusehen.

Gabapentin

Gabapentin wurde von der American Academy of Neurology bereits in der Gruppe der Migräneprophylaktika der 2. Wahl eingeordnet. In einer kontrollierten Studie aus dem Jahr 2001 kam es gegenüber Placebo bei einer Dosis von 2400 mg zu einer signifikanten Abnahme der Migräneattackenzahl und der Zahl der Migränetage pro Monat. Nur 13,3 % der Patienten beendeten die Studie aufgrund von Nebenwirkungen vorzeitig, meist aufgrund von Müdigkeit oder Schwindel. Zur definitiven Festlegung des Stellenwertes von Gabapentin sind jedoch noch weitere Studien und insbesondere auch Vergleichsstudien mit anderen Prophylaktika erforderlich. Gabapentin ist in Deutschland zur Migränebehandlung nicht zugelassen.