Trizyklische Antidepressiva

Trizyklische Antidepressiva (hier im besonderen Amitriptylin) werden häufig und mit gutem Erfolg zur medikamentösen Prophylaxe der Migräne und des Spannungskopfschmerzes eingesetzt. Die American Academy of Neurology stuft Amitriptylin als wichtigstes Medikament der 1. Wahl ein. Trizyklische Antidepressiva (Doxepin, Nortriptylin, Imipramin) und andere selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (Fluvoxamin, Mirtazepin, Paroxetin, Sertralin, Venlafaxin) gelten als Medikamente der 3. Wahl.

Ein Überblick über die zur Verfügung stehende Studienlage zeigt, dass von allen aufgeführten Antidepressiva letztlich lediglich für Amitriptylin ausreichend placebokontrollierte Studien vorliegen, die einen gesicherten Wirkungsnachweis erbrachten. Eine Korrelation zwischen der antidepressiven Wirkung und der migräneprophylaktischen Wirkung bestand in den Studien – sofern untersucht – nicht.

Der Einsatz anderer trizyklischer Antidepressiva erfolgt einzig aufgrund Erfahrungen. Die gewonnenen Erfahrungen und die Studienlage belegen derzeit aus der Gruppe der Antidepressiva nur für Amitriptylin eine migräneprophylaktische Wirkung. Die erforderliche Zieldosis liegt bei 50 bis 75 mg pro Tag. Die Aufdosierung sollte langsam in wöchentlichen Schritten von 10 bis 25 mg erfolgen. Amitriptylin ist besonders indiziert bei gleichzeitigem Vorliegen von Migräne und einem chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp, einer Depression oder von Schlafstörungen. Es sollte jedoch auch bei einer hochfrequenten Migräne in Erwägung gezogen werden, wenn eine Alternative zur Betarezeptorenblockerprophylaxe gesucht wird.

Kontraindikationen für den Einsatz von Amitriptylin sind ein Engwinkelglaukom, akutes Harnverhalten, Pylorusstenose, Ileus, Vergrößerung der Prostata mit Restharnbildung, schwere Überleitungsstörungen des Herzens (Schenkelblock, AV-Block 3. Grades). Zu den Anwendungsbeschränkungen zählen ein vorgeschädigtes Herz, schwere Leberfunktionsstörungen, erhöhte Krampfbereitschaft, Vergrößerung der Prostata ohne Restharnbildung, schwere Nierenschäden und Störungen der Blutbildung. Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen Müdigkeit, Mundtrockenheit, Obstipation, Beschleunigung des Herzschlages und Gewichtszunahme. Seltener sind Schwindel, Muskelzittern, Sehstörungen, Leberfunktionsstörungen, Erregungsleitungsstörungen, Blutdruckregulationsstörungen, Glaukomauslösung, Harnverhalten oder sexuelle Störungen.